Gemeinschaftsbildung
Die Zeitenwende zum Wassermann-Zeitalter beinhaltet eine starke Individualisierung der Gesellschaft. Es fällt schwer, sich auf eine Gruppe oder eine Beziehung dauerhaft einzulassen. Es ist nicht leicht, unterschiedliche Meinungen und Ansprüche unter einen Hut zu bekommen. Es fällt viel leichter, Verbindlichkeiten loszulassen, Kontakte abzubrechen und eigene Wege zu gehen.
Problematisch ist die für den Wassermann typische Gleichgültigkeit anderen gegenüber und die idealistische, aber gefühllose Machtorientierung. Handeln lässt sich nur noch rational und nicht mehr ideell oder emotional begründen. Loyalität hat keine Kraft mehr. Sie wird durch Vereinbarungen ersetzt. Dadurch kommen alte Hierarchien ins Wanken. Klare gesellschaftliche Strukturen wie Besitzstand und soziale Isotope werden brüchig.
Gleichzeitig bleibt keine Wahl sich in Gruppen zusammen zu schließen. Wer gruppenfähig ist, gewinnt grundsätzlich die Auseinandersetzungen mit Einzelkämpfern. Egoisten haben keinerlei Basis außerhalb von sich selber. Konkurrenz erzeugt keine Energie sondern beschleunigt den Verfall. Kooperation ist auf allen Ebenen des menschlichen Lebens schlicht notwendig.
Deshalb ist das Bewusstsein des einzelnen so wichtig. Jeder muss selber erkennen, dass sich Kooperation lohnt. Nur dann ist Kooperation möglich

Soziales Verhalten muss im Kooperationszeitalter neu bewertet werden. Neue Formen der Auseinandersetzung und neue Formen des Austausches von Informationen sind nötig, um den sozialen Veränderungen gerecht zu werden.
Erfahrungen benötigen ein größeres gesellschaftliches Gewicht. Bisher zurückgehaltene Informationen müssen aufgearbeitet und frei zugänglich sein. Besitz muss flexibler werden und sich am Energieniveau des zugehörigen Individuums oder des Umfelds orientieren.
Diese neuen Strukturen müssen das Wissen über den Energiefluss in Gruppen genauso beinhaltet, wie das stete prozesshafte Wachstum des Bewusstseins des einzelnen.
Meditationstechniken machen nicht satt, aber sie sind trotzdem nahezu unverzichtbar. Sie zählen zu den „soft skills“, der sozialen Kompetenz, die das geregelte Zusammenleben ermöglichen. Mit Hilfe von Yoga und Meditation können die Widersprüche und Reibereien im Austausch mit anderen ertragbar werden.
Siehe auch: Basistext Kundalini Yoga und Gruppenbewusstsein
Formen der Gemeinschaftsbildung
Die Zivilgesellschaft
Im sogenannten 3. Sektor – neben Markt und Staat – existiert die Zivilgesellschaft. Sie ist in Vereinen, oder losen Gruppen und Netzwerken organisiert. Herausragendes Merkmal ist die Praxis eine kooperativen Demokratie. Kooperation ist nötig, um die Bindung an die Gruppenstrukturen aufrecht zu erhalten. Im Gegensatz zum Markt und Staat kann sich der einzelne Entscheiden, ob er die Struktur weiter mittragen will. Ohne Kooperation zerfällt die zivilgesellschaftliche Gruppe.
GBR
Die Gesellschaft Bürgerlichen Rechts ist eine an Markt und Gewinn orientierte Organisationsform. Hier spielen marktwirtschaftliche Mechanismen eine Rolle, die sich nicht an einem natürlichen Gruppenprozess orientieren. Gier und Unsicherheit erhält in dieser Struktur eine kontinuierliche Existenz. Die GBR ist eine Gemeinschaftsstruktur im Sinne der fortschreitenden Konkurrenz. Im Zeitalter der Kooperation werden sich andere marktwirtschaftliche Strukturen durchsetzen, die den Verhältnissen gerechter werden.
Der Individualisierungsdruck der Konkurrenz-Gesellschaft macht es den Menschen zusätzlich schwer, gemeinschaftlich Geld zu verdienen. Hier sind politische Korrekturen nötig, um die Bildung von Gemeinschaften zu fördern.
Gemeinschaftliche Wohn- und Arbeitsprojekte
In Deutschland gibt es ca. 280 Wohn- und Lebensgemeinschaften, die sich selber als solche bezeichznen. Darüber hinaus gibt es zahllose Projekte des gemeinschaftlichen Lebens. Entgegen landläufiger Meinung gibt es in den Dörfern viele Mehrgenerationen-Häuser, wo die Familien der Kinder zusammen mit den Eltern wohnen. Außerdem haben sich viele junge Familien gemeinsam ein Haus gekauft, nicht zuletzt um sich bei dem Großwerden der Kinder gegenseitig zu unterstützen.
Das gemeinsame Leben erfordert viel Energie. Klärungsprozesse können sehr langwierig sein, und immer wieder Ausbrüche aus der Gemeinschaft zur Folge haben. Bis die Synergie stimmt, können Jahre vergehen. Trotzdem lohnt es sich, den Versuch zu machen. Die Folgen für das persönliche Wachstum sind immens. Menschen aus Gemeinschaftsprojekten ist ihre Sozialkompetenz anzumerken. Ihre Kinder sind überdurchschnittlich erfolgreich und bereichern die Gesellschaft im besonderen Maße, da sie meist einen sehr konventionellen eigenen Lebensweg haben.
Gemeinschaften können sehr unterschiedliche Formen haben. Es gibt Netzwerke der gegenseitigen Unterstützung in einem Dorf oder einem Hausblock in der Stadt. Es gibt Höfe, in denen Familien ohne Gemeinschaftsräume miteinander leben und kooperieren. Es gibt Wohngemeinschaften mit gemeinsamer Küche und Bad, aber auch gemeinsamen Yoga- oder Büroräumen. Es gibt große zusammenhänge mit vielen Dutzenden oder (selten) hunderten Menschen. Siehe auch: Kundalini Yoga Gemeinschaft in Gründung
bolo`bolo – viele Einheiten innerhalb der großen Einheit.
In den 80ger Jahren entwickelte der Schweizer Autor P.M. eine Utopie, die immer noch eine große Faszination auslöst. Gemeint ist das bolo`bolo.
Hier schließt sich jeder Mensch mit etwa 500 andern Gleichgesinnten zu einem bolo zusammen. Das bolo ist seine grundlegende Übereinkunft mit andern Menschen, ein direkter, persönlicher Lebenszusammenhang. Das bolo ersetzt die alte Übereinkunft, die wir Geld nennen. Im bolo und darum herum erhalten die Menschen ihre täglichen 2000 Kalorien, Unterkunft, medizinische Betreuung, alles, was zum Überleben nötig ist und noch viel mehr. Kein Mensch kann aus seinem bolo vertrieben werden. Hingegen darf er selbst sein bolo jederzeit verlassen und wieder dorthin zurückkehren. Das bolo ist das Heim des Einzelnen auf dem Raumschiff Erde.
Keiner ist verpflichtet, in einem bolo zu wohnen. Er kann ganz allein bleiben, kleinere Gruppen bilden oder besondere Abkommen mit bolos schließen. Es genügt, wenn ein grosser Teil der Menschen in bolos leben, damit die Geldwirtschaft nicht mehr zurückkehren kann. Die fast vollständige Selbstversorgung der bolos garantiert ihre Unabhängigkeit. Damit sind sie der Kern einer neuen Form persönlichen, direkten gesellschaftlichen Austauschs. Die bolos sind notwendig, weil sonst die Geldwirtschaft von selbst wieder entsteht.
Ein bolo besteht aus seinen Wohn- und Werkstattgebäuden und aus einem landwirtschaftlichen Grundstück, die zusammen seine Selbstversorgung garantieren. Die landwirtschaftliche Basis kann auch aus Weiden, Alpen, Fischgewässern, Jagdgründen, Palmenhainen, Algenkulturen, Sammelgebieten usw. bestehen, je nach geographischen Bedingungen. Das bolo ist weitgehend selbständig, was die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, vor allem mit Lebensmitteln, betrifft. Es kann auch seine Gebäude und Maschinen selber unterhalten und reparieren. Damit es Gastfreundschaft gewährleisten kann, muss es im Stande sein, zusätzlich 30 bis 50 Gäste oder Durchreisende mitzuversorgen.
Selbstversorung bedeutet keineswegs Isolation oder Verzicht. Die bolos sind im Gegenteil Zentren vielfältiger Beziehungen nach aussen. Sie schließen Tauschabkommen mit andern bolos ab und gelangen dadurch zu einem grösseren Reichtum an Lebensmitteln oder Dienstleistungen. Diese Zusammenarbeit kann bi- oder multilateral sein und wird nicht durch eine zentrale Organisation geplant. Die bolos können, gerade, weil sie selbständig sind, frei wählen, ob sie mehr oder weniger autark oder kooperativ sein wollen. Entscheidend ist dabei ihr Lebensstil.
Die Grösse von bolos und die Zahl ihrer Mitglieder können überall auf der Welt etwa gleich sein. Seine Grundaufgaben und Verpflichtungen sind überall die gleichen. Aber ihre territorialen, architektonischen, organisatorischen, kulturellen Formen sind ganz verschieden. Genauso wie kein Mensch wie der andere ist, gleicht kein bolo einem andern. Jeder Mensch bolo kann seine eigene Identität haben (oder mehr oder weniger darauf verzichten). bolo'bolo ist also kein einheitliches System, sondern ein Flickenteppich kleiner Welten.
bolos brauchen nicht im leeren Raum aufgebaut zu werden - sie sind vielmehr der neue Gebrauch vorhandener Gebäude. In grösseren Städten kann ein bolo aus einem oder zwei Häusergevierten bestehen, aus einer Nachbarschaft, aus einigen zusammenhängenden Bauten. Lauben, Arkaden, Brücken, Über und Unterführungen können die Häuser verbinden. Das Erdgeschoss kann gemeinschaftlichen Nutzungen vorbehalten werden, Mauern können durchbrochen werden, Strassen werden aufgehoben usw.
Auf dem Land ist ein bolo ein kleines Dorf, eine Gruppe verstreuter Weiler oder Höfe, oder eine Talschaft. Ein bolo braucht architektonisch nicht zusammenhängend zu sein. Im Pazifik ist es eine grössere Koralleninsel oder setzt es sich aus einigen kleineren Atollen zusammen. In der Wüste ist es eine Nomadenroute ohne festen Ort: das bolo ist unterwegs und all seine Mitglieder treffen sich vielleicht nur ein- oder zweimal pro Jahr zu einem grossen Fest. Auf Flüssen oder Seen können bolos aus Wohnbooten bestehen. Im brasilianischen Dschungel entsprechen sie einem maloka. In Sibirien einer Jäger-Kooperative. Unter stillgelegten Autobahnen kann es «Schlangen»-bolos geben (mit Gärten auf dem «Dach»). Leere Fabrikgebäude, Schlachtschiffe, Paläste, Gefängnisse, Klöster, Höhlen, Museen, Zoos, Regierungsgebäude, Shopping-centers, Fussballstadien, Parkhäuser, Kasernen, können bolos beherbergen. bolos können sich überall einnisten - gemeinsam haben sie nur ungefähre Grösse und die Regeln der Gastfreundschaft.
Die gesamte Utopie: www.soilant.ch/bolobolo.html

